Batman V Superman V Editing

BvS2.0

*Dieser Artikel enthält gravierende Spoiler für Batman V Superman.

Erläuterung des Begriffs Fan-Edit (englisch): https://en.wikipedia.org/wiki/Fan_edit 

Cinematic Universe Dilemma

Nachdem es für Man Of Steel (2013), Batman V Superman und Suicide Squad (2016) verhaltene bis vernichtende Kritiken gehagelt hat, gibt es nun wohl Grund zum Aufatmen. Mit dem Kinorelease von Patty Jenkins‘ Wonder Woman scheint uns das DCEU mit seinem vierten Eintrag tatsächlich den ersten Film zu präsentieren, der durch die Bank positives Feedback sowohl seitens der Kritiker als auch der Fans bekommen hat. Das ist aus mehreren Gründen nicht nur erfreulich, sondern in ihrer Relevanz eine beinahe schon monumentale Meldung. Warner konnte sich über Jahrzehnte nicht durchringen, Wonder Woman nach einem grauenvollen TV-Film mit Cathy Lee Crosby, einer doch eher trashigen 70er Jahre TV-Serie mit Lynda Carter, dem 2011 direkt unveröffentlichten Piloten mit Adrianne Palicki und zuletzt 2009 mit einem animierten Direct-To-Video-Release doch für die große Leinwand zu adaptieren. Nun hat eine Frau einen augenscheinlich sehr guten Film über eine starke Frau gemacht, welcher in einer Filmreihe an vierter Stelle kam, die viele Fans bereits nach Suicide Squad für tot erklärt hatten. Die weltweiten Umsätze an den Kinokassen zeigen dem Studio mit aktuell 790 Millionen Dollar, dass nicht irgendeine Formel (Frauen ziehen an den Kinokassen nicht etc.) sondern überraschenderweise die Qualität des Films entscheidend ist. Wonder Woman ist ein guter Film, daher ist er erfolgreich. Doch was macht einen guten Film aus, und sind die drei Vorgänger, Man Of Steel, Batman V Superman und Suicide Squad tatsächlich so schlecht?

Vorweg sei natürlich gesagt, dass das immer Geschmacksache ist. Die Hälfte der Kinobesucher (zu dieser Gruppe zähle auch ich) mochte Man Of Steel. Ich persönlich finde den Film zwar nicht umwerfend, aber die neue Herangehensweise an Supermans Geschichte und somit den kompletten Aufhänger für das DCEU finde ich sehr gelungen. Generell ist der Film sehr lang und Zack Snyder hat das große Problem, den Moment über alles andere zu stellen. Dadurch wirken seine Filme oft sehr aufgeblasen, allerdings ohne viel Substanz, was Charaktertiefe und Handlung angeht.

Suicide Squad ist technisch, gerade in Bezug auf die Schnitttechnik, eine absolute, wirklich ABSOLUTE Katastrophe, hat allerdings ein paar gute Momente, die in der richtigen Kombination unterlegt mit Bohemian Rhapsody von Queen den besten Trailer des Jahres 2016 hervorbrachten. Hier ist hauptsächlich in der Post-Production anscheinend alles schief gelaufen, was schief laufen kann, und wäre definitiv einen eigenen Beitrag wert.

Aber was ist mit Batman V Superman? Ich habe sowohl die zweieinhalbstündige Kinoversion als auch die dreistündige ULTIMATE EDITION mehrmals gesehen und bin jedes Mal währenddessen verzweifelt. Teilweise ist der Film großartig, verliert aber über weite Strecken völlig den Fokus und man fragt sich, worum es nun eigentlich gehen soll. Geht es um Batman gegen Superman, geht es um Wonder Woman, was ist denn nun eigentlich Lex Luthers Plan genau und was ist mit diesem beschissenen Ende? Auch hier ist wieder das Problem, dass sich viele Momente nicht verdient anfühlen. Durch das permanente Hin-und-her zwischen den vielen Erzählsträngen verliert man völlig den Überblick und groß in Szene gesetzte Momente fühlen sich einfach unverdient an, da man sich überhaupt nicht im Moment befindet. Von diesen großen Einstellungen gibt es in Relation zu normalen Dialogen, die die Charaktere vertiefen sollen viel zu viele, und zwischenzeitlich verkommt der Film fast zu einer Art überlangem Musikvideo.

Wonder-Woman-Movie-Sexism-Feminism

Zudem wird BvS durch mehrere strunzdumme Momente so dermaßen versaut, dass es mich oft mehrere Minuten gekostet hat, diese Sequenzen zu verdrängen, um mich wieder in den Film einfinden zu können. Andauernd wird man aus dem Erlebnis gerissen, weil man sich fragt, ob die Figuren in der Geschichte noch alle Tassen im Schrank haben. Kleines Beispiel? Direkt in den ersten zehn Minuten gibt es einen Rückblick auf den Moment in Man Of Steel, in dem Superman sich mit Gerneral Zod durch Metropolis prügelt und dabei die komplette Stadt in Schutt und Asche legt. Diesmal erleben wir diese Szene aus der Sicht von Bruce Wayne, der nach Metropolis geflogen ist und nun in dem Chaos versucht, zu seinem Firmengebäude zu gelangen. Auf dem Weg ruft er seinen Freund und Executive Jack O’Dwyer im Wayne Tower an, um ihm zu sagen, dass alle schnellstmöglich das Gebäude verlassen sollen. Dieser schaut aus dem Fenster, wo gerade die gesamte Stadt buchstäblich in Feuer und Flammen aufgeht und weist nun seine Kollegen an, sich bitte zu den Ausgängen zu begeben. … … … ??? Warte ich wirklich auf die Hitzefrei-Anweisung vom Chef, wenn um mich herum alles explodiert?? Diese Szene trägt nichts zur Handlung bei, außer alle Beteiligten wie Vollidioten wirken zu lassen. Es sind so viele kleine Momente dieser Art, in denen einem das Wort „dämlich“ zu leicht durch den Kopf schießt. Passiert das zu oft, bleibt der Begriff am ganzen Film haften wie ein alter Kaugummi, und fragt mich dann jemand, wie ich Batman V Superman fand, fällt mir als Antwort wirklich nur noch „dämlich“ ein.

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„Hi, hier ist euer Chef. Unter diesen Umständen dürft Ihr alle für heute nach Hause gehen.“

Bei meiner letzten Sichtung drückte ich nach etwa 25 Minuten auf Pause, nahm mein Handy in die Hand und dachte nur, irgendwer muss doch schon auf die Idee gekommen sein, den ganzen Müll professionell aus dem Film herauszuschneiden, also einen sogenannten Fan-Edit anzufertigen. Und siehe da, der erste Eintrag auf Google war sofort ein absoluter Volltreffer. Auf Fanedit.org machte sich der Benutzer ReeseEvans die Arbeit, 69 Minuten aus der dreistündigen Ultimate Edition zu entfernen, Szenen teilweise umzustellen und editierte schlussendlich den Sound sogar neu, um die Änderungen für den Zuschauer absolut unmerklich werden zu lassen. Wie sieht das Ergebnis nun aus?

Unter den drei Stunden aufgeblähtem Superhelden-Wirrwar mit duzenden Versuchen, schnellstmöglich ein Marvel-ähnliches „DC Extended Universe“ aufzusetzen, versteckt sich ein sehr guter Film. Den musste nur jemand freilegen, und in diesem Fall wurde dafür die Machete angesetzt.

Der Zusatztitel des Fan-Edit „Batman V Superman: No Justice“ verrät im Grunde schon genau, was hauptsächlich im Vordergrund stand. Jeglicher Hinweis auf die Justice League wurde komplett entfernt. Jede Szene mit Wonder Woman, die konfuse Traumsequenz mit Batman in der dystopischen Zukunft, in der wir am Ende auch noch kurz den Flash sehen „dürfen“, das gesamte Ende mit Doomsday, alles fiel der Schere zum „Opfer“. Zudem wurden von mir angesprochene „Dämlich-Sequenzen“ sowie bestimmte kleinere, irreführende Details entfernt, so zum Beispiel die Identität von Jimmy Olsen, der sich im mittleren Osten vom Daily-Planet-Fotografen in einen CIA-Agenten verwandelt und anschließend einfach erschossen wird. Ein völlig belangloses Detail, aber viel schlimmer noch: niemand versteht, warum diese Figur den Namen von Supermans langjährigem Freund und Kollegen aufgezwungen bekommen musste. Vielleicht dachten die Drehbuchschreiber an Fan-Service, was am Ende allerdings ziemlich nach hinten losging. „Düster“ ist verrückterweise nicht immer das Maß aller Dinge.

Batman-V-Superman-Ultimate-Jimmy-Olsen

Durch die Entfernung jeglicher Justice-League-Referenzen gewinnt der Film unheimlich an Fokus. Es geht plötzlich um die titelgebende Rivalität zwischen Batman und Superman, man kann die Sichtweise beider Seiten, den Plot und sogar die Beweggründe von Lex Luthor leichter nachvolliehen und dadurch, dass Doomsday nicht auftaucht, da die sinnbefreite Szene mit General Zods Raumschiff ebenfalls nicht mehr vorkommt, steigt ein besiegter und geschwächter, aber quicklebendiger Superman am Ende des Films wortlos zu Lois in die Badewanne.

Dieser Fan-Edit zeigt mir zwei Dinge ganz klar auf. Erstens wird die Post-Production und gerade das Editing maßlos unterschätzt, zweitens ist Batman V Superman einer der besten Filme von Zack Snyder, den er eigentlich nicht gedreht hat.

Ich wünschte, dass Filme nicht mehr so offensichtlich um das Setup ihrer eigenen Fortsetzungen bemüht wären und sich mehr darauf konzentrieren würden, eine kohärente Geschichte zu erzählen. Wonder Woman war ein guter erster Schritt, es bleibt nun abzuwarten, ob Warner einen gradlinigen Kurs beibehält, oder sich erneut im selbst erschaffenen Produktionstreibsand verliert.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

 

 

 

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