Die wichtigste Serie der Welt. (Teil 2)

War Avatar – The Last Airbender eine extrem einfallsreiche, aber eher klassische Geschichte, befasst sich Legend of Korra mit modernen Themen und treibt dabei die Grenzen von dem, was von einer Nickelodeon-Serie erwartet wird, weit über die Tischkante hinaus. Und zwar so weit, dass die letzten anderthalb der vier Staffeln in den USA, nicht mehr im TV, sondern nur noch über das Web auf der eigenen Seite von Nickelodeon zu sehen waren. Das führte allerdings dazu, dass Legend of Korra die meistgestreamte Nickelodeonserie aller Zeiten wurde.

Ähnlich wie beim Vorgänger ist jede Staffel einer Station in Korras Abenteuer gewidmet. Da Korra das Bändigen aller Elemente bereits zu Beginn der Serie beherrscht, und nur noch Fine-Tuning für das Luftbändigen benötigt, wobei Aangs Sohn Tenzin als Lehrer fungiert, ist nach der ersten Staffel „Air“ Raum für spirituelles Wachstum in den Staffeln „Spirits“, „Change“ und „Balance“. Jede Staffel stellt dabei eine neue innere Herausforderung und einen neuen Gegner dar.

Was hat sich im Detail zur Vorgängerserie geändert?

Korra ist die Protagonistin der Serie. Die zu Beginn 17-jährige Wasserbändigerin ist die Reinkarnation des Avatars nach Aang. Aber sie ist nicht die einzige Frau, die es wert ist erwähnt zu werden. Die komplette Serie wird bestimmt von starken, selbstbewussten Frauen aller Altersklassen und Rassen und kommt dabei sowohl ganz ohne dämliche Clichés aus, als auch ohne auch nur eine von ihnen sexualisieren zu müssen. Die „klassische“ Rollenverteilung gibt hier nicht, weibliche Charaktere finden sich in sämtlichen Rollen wieder, ob Pro- oder Antagonistinnen, Nebenrollen etc. Und jede von ihnen bekommt ihren Moment, um zu glänzen. Dass die Serie nie einen Hehl aus dieser Tatsache macht oder mit dem Finger darauf zeigen muss, ist zudem absolut ungewöhnlich. Dass locker die Hälfte der Folgen mit Leichtigkeit den Bechdel-Test bestehen, ist ein netter und in diesem Zusammenhang wenig überraschender Nebeneffekt.

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Zeitgleich müssen die männlichen Rollen nicht in ein schlechtes Licht gestellt werden, um den Frauen ihren Raum zu geben. Auch hier gibt es Helden und Bösewichte, es herrscht eine absolute Gleichheit der Geschlechter im eigentlichen Sinne des Wortes, etwas, das ich so bewusst noch nicht in einer Serie wahrgenommen habe. Denn auch wenn starke Frauen in vielen Serien mittlerweile Gang und Gäbe sind, sie dienen immer noch viel zu oft zusätzlich als Eye Candy.

Doch das ist noch lange nicht alles. Die Serie ist einer der größten Rebellen unter den Nickelodeon-Zeichentrickserien, und setzt sich mit Themen wie Rassismus, Faschismus, Religionsfreiheit, Sexualität, aber auch posttraumatischer Belastungsstörung oder Massenvernichtungswaffen auseinander, ohne ihren Unterhaltungswert einzubüßen oder es einem direkt ins Gesicht zu reiben. Alles geht organisch mit dem Verlauf der Geschichte einher, bis im Finale der Serie eine gewaltige Bombe platzt.

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Doch bereits diverse Folgen zuvor wurde es Nickelodeon zu bunt und die Serie wurde aus dem TV-Programm genommen, die restlichen Folgen wurden auf Nickelodeon.com zum Streamen bereitgestellt. Zwar wurde offiziell erklärt, dass das von vornherein der Plan war, allerdings schimmerte während der Verlautbarung durch die Produzenten der Serie durch, dass Legend Of Korra nicht gerade Standardkost für Nickelodeonpublikum sei.

Für die Kleinen war die Show von Anfang an nicht konzipiert, der Look, die Themen, aber auch der Gewaltgrad, alles viel zu erwachsen.

Komplett ohne Spoiler kann man den folgenden Punkt leider kaum abarbeiten, aber ich versuche es dennoch:

In der Geschichte wird an einer Stelle eine homosexuelle Liebesbeziehung angedeutet. Ich verrate nicht, wer involviert ist, und wann es suggeriert wird, aber das ist an Progressivität für eine amerikanische Mainstream-TV-Zeichentrickserie einfach kaum zu toppen. Und das gerade bei Nickelodeon, dem Aushängeschild des US-Kinderfernsehens. Aber auch hier wirkt die Szene nicht aufgesetzt, sondern wie der logische (aber zugegebenermaßen überraschende) Schritt der Story in einer Fernsehserie, die einfach so tut, als gäbe es unter den Zuschauern keine Bigotterie, keine Homophobie, keinen Rassenhass. Als wäre all das, was die Serie sich traut zu zeigen, das normalste auf der Welt. Das ist auch eigentlich so, aber wir wissen leider auch, dass diese Haltung lange nicht bei allen angekommen ist und es vermutlich auch niemals wird. Aber gerade diese Haltung macht die Serie in ihrer Art so einmalig und damit auch so wichtig.

Was bleibt dann noch übrig?

Nicht nur, dass die Serie auf ihre subtile Art einen wegweisenden Ton anschlägt, auch alles andere ist stimmig. Wie beim Vorgänger The Last Airbender wird sehr viel Wert auf Präsentation, Charakterentwicklung und die Geschichte gelegt. Legend of Korra zählt für mich zu den aktuell am besten aussehenden Zeichentrickserien überhaupt, das Design nicht nur der Figuren, sondern auch des gesamten Umfelds, dem Steam-Punk-Touch der Architektur und Fahrzeuge in den Städten, die Inszenesetzung der Naturschauplätze, Mode und so weiter setzen meiner Meinung nach Maßstäbe.

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Auch die Action- und Kampfsequenzen der Serie setzen im Vergleich zum Vorgänger noch mal einen oben drauf. Generell hat die Serie auf diesem Gebiet zu The Last Airbender mehr „Wumms“, was aber nicht bedeutet, dass dadurch andere Bereiche auf der Strecke bleiben.

Wenn ihr jetzt nicht überzeugt seid und den beiden Serien zumindest eine Chance geben wollt, dann kann ich es natürlich nicht ändern, aber glaubt mir, Ihr verpasst ein kleines Stück Fernsehgeschichte.

Veröffentlicht unter Serien.

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