Die beste Serie der Welt. (Teil 1)

*Beitragsbild von Shizumahru (http://shizumahru.deviantart.com/)

Ok. Wer von Euch hat’s erkannt und jetzt gedacht:“So ein Schwachsinn! Ein Kindercartoon besser als _________ (Shows wie Game of Thrones, Braking Bad, Sherlock oder ähnliches bitte einfügen)? Sehr witzig.“

Wenn dem so war und ihr trotzdem weiterlest, herzlich willkommen. Und um eins gleich vorweg zu nehmen, wie alle meine Reviews spiegelt auch dieses meine vollkommen subjektive Meinung wieder, was ja in der Natur der Sache liegt, und diese lautet: die Nickelodeon-Serie Avatar – The Last Airbender (2005-2008), sowie deren Fortsetzung Legend of Korra (2012-2014), stehen auf meiner Liste der besten Fernsehserien aller Zeiten zusammen auf Platz eins. Und natürlich ist eine Zeichentrick-Fantasy-Serie grundsätzlich schwer zu vergleichen mit AMC-Drama-Titanen wie Breaking Bad, oder eben HBO’s Game of Thrones, die verständlicherweise von der anscheinend überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung umgehend als beste Fernsehserien aller Zeiten genannt werden. Und ja, auch ich bin ein riesen Fan, von allen ganz oben in den Klammern genannten Serien und noch diversen anderen, das ändert aber im Endeffekt nichts an der Tatsache, dass Avatar – Der Herr der Elemente vielen anderen Serien in Bezug auf Character Development, Story aber auch Action eine lange Nase dreht. Aber eins nach dem anderen.

Dass vor allem die ursprüngliche Avatar-Serie nicht nur bei Kindern und Jugendlichen ein Publikumsfavorit ist, ist kein Geheimnis. Auf der Imdb-Top-250-Liste aller TV-Shows steht sie mit einer Durchschnittsbewertung von 9,1 Punkten auf Platz 14 und ist damit nicht nur die aktuell höchst platzierte Zeichentrickserie, sondern lässt damit auch renommierte Titel mit vergleichbarer Anzahl an Stimmen wie Narcos, Fargo oder den ewigen und für seine frühe Absetzung betrauerten Liebling aller Nerds, Firefly, hinter sich. Das Serienfinale katapultierte am 18.11.2008 den Sender Nick in Deutschland in die erste TV-Liga und schlug mit einem absolut sensationellen Marktanteil von knapp 8% bei 14-49jährigen die Sender ARD, ZDF, RTL II und Kabel 1. Zum Vergleich, normal für Nickelodeon-Serien war damals etwa 1%.

Zur Info: Ich schreibe das hier übrigens primär für Leute, die die Serie noch nicht gesehen haben, also Infos zur Geschichte gibt es gleich auch. Was macht die Serie denn jetzt so besonders?

Worum geht’s überhaupt?

Avatar spielt in einer Welt, die geteilt ist in vier Nationen, die imperialistische Feuernation, die Wasserstämme, das Erdkönigreich und den theokratisch geführten Orden der Luftnomaden. In diesen Nationen leben neben ganz normalen Menschen auch Bändiger, die die Fähigkeit haben, das jeweilige Element ihrer Nation zu beeinflussen, es zu bewegen oder in ihrer Form zu verändern. Um das Gleichgewicht der vier Nationen und somit die Welt im Einklang zu behalten, gibt es den Avatar, einen Menschen, der alle vier Elemente bändigen kann und welcher Generation für Generation nach seinem Tod im Wechsel als Einwohner einer der Nationen wiedergeboren wird. Die Reihenfolge ist hierbei im sogenannten Avatar-Zyklus festgelegt, nach Wasser folgt Erde, dann Feuer, dann Luft, angelehnt an den Zyklus der vier Jahreszeiten. Ist der Zyklus beendet, beginnt er wieder von vorn.

Um die Kraft aller vier Elemente zu bündeln und zu verstärken, kann sich der Avatar in einen meditativen Zustand versetzen, der es ihm ermöglicht, übermenschliche Fähigkeiten freizusetzen. Diesen Zustand kontrolliert zu erreichen, ist natürlich mit langem, hartem Training verbunden.

Die Geschichte behandelt eine Zeit, in der das Gleichgewicht der Welt aus den Fugen gerät. Der Imperator der Feuernation, Lord Sozin (auf Deutsch „Zosin“), ist von seinem Vorhaben getrieben, die ganze Welt unter seiner Führung zu vereinen. Avatar Roku, der jetzt für das Gleichgewicht der Welt zu sorgen hat, stammt ebenfalls aus der Feuernation und ist ein Freund Sozins aus Kindertagen. Als er versucht, Sozin bei seinem Vorhaben aufzuhalten, kommt es zum Kampf, wobei Sozin es schafft, den, durch die tiefe gemeinsame Freundschaft zögernden, Avatar zu besiegen und zu töten, um seinen Eroberungsfeldzug fortzusetzen. Und ja, wir reden hier immer noch von einem Nickelodeon-Cartoon.

Da der Avatar-Zyklus unter den Völkern Allgemeinwissen ist, weiß auch Sozin, dass der Avatar nach seinem Tod als Luftnomade wiedergeboren wird, und somit ist Teil seines Plans, die Luftnomaden vollständig auszurotten, um den nächsten Avatar bereits in frühen Jahren zu vernichten. Als der Tag gekommen ist, schafft es der mittlerweile 12-jährige Avatar Aang, dem Angriff zu entkommen, der das Ende der Luftnomaden bedeutet, (daher der Titel „The Last Airbender“) und flüchtet mit seinem fliegenden Bison Appa (ja, sowas gibt es da auch) übers Meer. Obgleich er der Avatar ist, hat er noch nicht mit seiner Ausbildung begonnen, das Bändigen der restlichen drei Elemente zu erlernen, die ihm nicht in die Wiege gelegt wurden, nämlich Wasser, Erde und Feuer.

Bei einem Unwetter stürzen die beiden ab und werden unter Wasser gedrängt, wobei Aang sich reflexartig in den Avatarzustand versetzt und sich in einer Blase einschließt, in welcher er sich und seinen Bison aus Todesangst direkt einfriert. Da er nun nicht stirbt, wird er auch nicht wiedergeboren, sondern bleibt verschollen im Eis, wo er nach 100 Jahren von zwei jungen Einwohnern des Wasserstamms gefunden und aufgetaut wird. Da die Feuernation, nun angeführt von Sozins Enkel, Feuerlord Ozai, die Welteroberung immer noch weiterverfolgt, tobt ein bereits 100-jähriger Krieg, und die Aufgabe des eigentlich 12-jährigen Jungen ist es, diesen zu beenden.

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Um der Feuernation und dem mächtigen Feuerlord gegenübertreten und den Krieg beenden zu können, begibt sich Aang mit seinen zwei neuen Freunden auf die Reise, um das Bändigen der verbleibenden Elemente zu erlernen.

Stil, Aufbau und Präsentation

Jede der drei Staffeln behandelt eins der drei zu erlernenden Elemente, die ebenfalls in der Reihe des Avatar-Zyklus erlernt werden müssen, also Wasser (Staffel 1), Erde (Staffel 2) und Feuer (Staffel 3). Die hochwertige Optik der amerikanischen Serie ist stark beeinflusst von verschiedenen Anime-Stilen, ohne es dabei zu verpassen, dem ganzen einen eigenen Stempel aufzudrücken. Dass der visuelle Anstrich hierbei eher japanisch anmutet, geht Hand in Hand mit dem gesamten Ton der Serie, die sich diverser verschiedener asiatischer Kulturelemente bedient, u.a. dem Buddhismus und großen Teilen der chinesischen und indischen Kultur.

Auch die Bewegungen der Bändiger in Aktion sind angelehnt an verschiedene chinesische Kampfstile, so hat Wasserbändigen seine Wurzeln im Tai Chi, Luftbändigen ist angelehnt an den Shaolin-Stil Baguazhang, Erdbändigen an Hung Kuen und Feuerbändiger bewegen sich in Aktion nach Vorlage des Northern Shaolin.

Aber wie sieht das jetzt aus, wenn beim Kung-Fu nun Elemente „gebändigt“ und als Kampfmittel eingesetzt werden?

Darauf gibt es nur eine Antwort: Absolut spektakulär. Der Flow der Kämpfe zieht einen tief in seinen Bann und beeindruckt mit immer neuen Einfällen und Variationen, und spätestens, wenn beim Kampf verschiedene Aggregatzustände ins Spiel kommen, wird es richtig interessant, besonders dann, wenn Gegner unterschiedlicher Nationen aufeinander treffen.

Es wird sich allerdings nicht nur aufs Kämpfen beschränkt, wenn es um das Bändigen der Elemente geht. Die Macher der Serie demonstrieren mit beeindruckendem Einfallsreichtum, wie diese Fähigkeiten in allen Lebenslagen und Situationen angewandt und weiterentwickelt werden können.

Der Kern der Sache

Sowohl das Design der einzelnen Charaktere als auch Animation, Soundtrack und Synchronisation (sowohl Englisch als auch Deutsch) ist bei der mittlerweile 10 Jahre alten Serie auf absolutem Höchstniveau.

Und auch wenn inhaltlich das Bändigen und die Action einen großen Teil der Episoden ausmachen, ist die Geschichte im Grunde ein Fantasy Road Movie, ein Reisetagebuch, in dem sich viel Zeit genommen wird, die Charaktere vieldimensional zu zeichnen, sie weiterzuentwickeln und den Schwerpunkt auf das Zwischenmenschliche zu legen. Sämtliche Facetten menschlicher Emotionen kommen dabei zum Tragen, es werden Themen wie Verantwortung, Versagens- und Verlustängste behandelt, Freundschaft und Einsicht, natürlich auch die Klassiker Liebe und Hass oder auch das Finden von Alternativen in vermeintlich alternativlosen Situationen und all das immer, ohne dabei plakativ zu wirken.

Abgerundet wird all das durch das unglaublich abwechslungsreiche Setting, in dem die Story stattfindet. Die Reise der liebenswerten Gruppe führt vom Nord- bis zum Südpol, durch Wüsten und Sümpfe, Wälder und Dörfer, Großstädte und Festungen, alles gespickt mit übernatürlichen Elementen und Wesen. Hier wurde nichts ausgelassen, um zu demonstrieren, dass es sich tatsächlich um eine Weltreise handelt, einen langen Weg, den Aang und seine Freunde bestreiten müssen, um dieses Abenteuer zu bestehen.

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Zudem wurde die Serie von vornherein als abgeschlossene Geschichte geplant, und das merkt man. Durch diesen Umstand fühlt sich keine Folge forciert an, ein Problem, das ich mit vielen anderen Serien habe, bei denen das Ende der Serie Staffel für Staffel nach hinten geschoben wird, in der Hoffnung, für noch ein Jahr grünes Licht zu bekommen, dadurch die Einfälle und Handlungen immer dünner werden und Serien dadurch ab und zu ein eher unschönes Ende durch Absetzung wegen mangelnder Einschaltquoten finden.

Aber nicht bei Avatar, denn hier findet die Serie mit einem fulminanten Finale ihr großartiges Ende, das einen zufrieden, aber auch traurig zugleich auf seiner Couch zurück lässt, da man sich innerlich wünscht, dass die Geschichte noch ein bisschen weiter ginge. So sehr ich mir Mühe gebe, und das habe ich, ich kann einfach keinen Kritikpunkt finden, der diese Serie in meiner Wertung nach unten ziehen könnte.

Das Flehen der Fans um eine Weiterführung wurde, allerdings bedingt, erhört, denn die Folgeserie Legend Of Korra behandelt vier Jahre nach dem Serienfinale nicht mehr Aang selbst, sondern seine direkte Reinkarnation, eine junge Frau aus dem nördlichen Wasserstamm.

Und warum Legend Of Korra, abgesehen davon, dass sie die Fortsetzung der besten Serie der Welt ist, auch zu den wichtigsten Fersehserien aller Zeiten gehört, erfahrt Ihr hier: Teil 2 – Die wichtigste Serie der Welt

 

Veröffentlicht unter Serien.

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