Civil War ≠ Civil War

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Achtung! Dieser Text enthält viele Spoiler sowohl zu aktuellen, als auch sehr wahrscheinlich zu zukünftigen Filmen des Marvel Universums!

Seit Donnerstag läuft der neue Captain America: Civil War (oder auf „Deutsch“: The First Avenger: Civil War) in den Kinos und um eins vorweg zu nehmen, ich hatte sehr viel Spaß.

Abgesehen davon, dass der Film im Gegensatz zu, sagen wir mal, Age of Ultron, wieder mit sehr guten Dialogen aufwartet, bei denen man nicht direkt beschämt seinen eigenen Kopf essen möchte, bietet Civil War sensationelle Actionszenen und setzt die Geschichte nahtlos fort, die mit The Winter Soldier begonnen hat. Und obwohl hier rekordverdächtige zwölf Superhelden und diverse bekannte Marvel-Nebencharactere  im Einsatz sind, fühlt sich der Film nicht wie ein Avengers-Film an, sondern wie ein weiterer Eintrag in die großartige Captain-America-Reihe. Das liegt sicherlich nicht zuletzt daran, dass sich hier wieder die Gebrüder Russo in die Regiestühle geschmissen haben, die schon bei Winter Soldier das Zepter in der Hand hielten und dem Marvel Cinematic Universe einen wesentlich härteren und ernsteren Ton verpassten.

Die beiden Filme bauen zudem logisch aufeinander auf und lassen einen gerade Steve Rogers‘ Entscheidungen in Civil War sehr gut nachvollziehen, welche vor allem durch seine Erfahrungen mit S.H.I.E.L.D. im Vorgänger stark geprägt sind. Auch Tony Starks Standpunkt ist nach seinen traumatischen Erlebnissen in den letzten Filmen verständlich, alles in allem eine sehr runde Sache. Mein kurzes Fazit: Für Fans Pflichtprogramm, für mich reicht er aber nicht an die Qualität von Winter Soldier heran.

Schaut man sich jetzt nur den Film an ohne die Vorlage zu kennen, fragt man sich sicherlich zurecht, warum der Titel eigentlich „Civil War“ lautet. Denn sechs gegen sechs, auch wenn die große Kampfszene am Flughafen in Leipzig wirklich imposant ist, ist weniger ein Krieg als ein WWE-Tag-Team-Match in der Superhuman Edition.

Darum Civil War

Vor knapp 10 Jahren erschien die Comicvorlage fur Civil War, und es war meiner Meinung nach eines der besten neueren Marvel Events. Und warum diese Geschichte Civil War heißt, ist einleuchtend, wenn man weiß, wie viele Superhelden- und Bösewichte hier interagieren. Etwa 120… Auf der Seite von Captain America und nochmal knapp 200 auf der Seite von Iron Man. Und wenn man diese Zahlen sieht, macht der Titel schon eher Sinn. Interessanterweise tauchen in den Heften allerdings weder Vision, Scott Lang (der zweite Ant Man) noch Wanda Maximoff auf.

Diese schiere Masse an Figuren erklärt aber auch, warum der Film einen völlig anderen Weg geht. Natürlich wäre es cool gewesen, eine 1:1-Verfilmung der Vorlage zu sehen, aber da wäre ein Großteil des Publikums wohl bei der Reizüberflutung bereits in den ersten zehn Minuten ausgestiegen. Aber nun zur Geschichte im Comic und wie sie sich so stark vom Film unterscheidet.

In der Vorlage zum Film beginnt die Geschichte nicht in Wakanda, sondern in Stamford, der drittgrößten Stadt des US-Staates Connecticut. Hier stürmt eine Gruppe von Helden, die New Warriors, ein Haus, in welchem sich ein Haufen aus dem Hochsicherheitsgefängnis Ryker’s Island entflohener Superschurken verschanzt.

Die New Warriors agieren zudem für einer Reality TV-Show und werden live von einem Kamerateam bei ihrem Einsatz begleitet. Für bessere Einschaltquoten hat man sich entschieden, diesmal keine normalen Straßenkriminellen zu jagen, sondern eine Stufe höher zu gehen. Ein bisschen wie Toto und Harry… nur mit Superkräften.

Was die New Warriors und das Fernsehteam nicht wissen, unter den geflohenen, eher ungefährlichen Sträflingen befindet sich der Superschurke Robert Hunter a.k.a. Nitro, zu dessen Fähigkeiten zählt, dass er sich selbst in eine lebende Bombe verwandeln kann. Während des Angriffs der New Warriors auf seinen Unterschlupf sprengt er sich, seine Angreifer und diverse umliegende Häuserblocks inklusive einer Grundschule in die Luft. Etwa 600 Zivilisten, darunter 60 Kinder, sterben bei der Explosion.

Dieser und andere Zwischenfälle zwingt die US-Regierung zum Beschluss des Superhuman Registration Act (SHRA), welcher besagt, dass sich jedes Lebewesen in den Vereinigten Staaten mit Superkräften offiziell und unter richtigem Namen registrieren muss und seine „Arbeit“ als Held nur noch unter Kontrolle des Staates weiterführen darf oder gar nicht.

Dieses Abkommen spaltet die Heldenfraktion, wie auch im Film, in zwei Lager, wobei im Comic die Meinungsverschiedenheit zusätzlich zum Kontrollfaktor auch auf die geforderte Offenlegung der wahren Identität zurückzuführen ist. Hierbei spielt Peter Parker eine sehr große Rolle, denn er ist der erste und gleichzeitig berühmteste maskierte Held, der vor laufenden Kameras live im Fernsehen seine Maske fallen lässt.

Da Captain America und viele andere sich weigern, das Abkommen zu unterzeichnen, wird durch S.H.I.E.L.D. Haftbefehl erlassen, was die Anti-Registrierungs-Fraktion in den Untergrund zwingt.

Um jetzt nicht ewig weiter ins Detail zu gehen, denn das würde noch viele Seiten füllen, kürze ich es hier ab. Es kommt natürlich zum Krieg zwischen den beiden Fraktionen, allen Voran die Anführer der beiden Lager, Iron Man und Captain America. Nun sind wir hier in der Marvel-Comic-Welt, fernab von Marvels Filmrechtsstreitigkeiten mit Sony oder 20th Century Fox, und so ist einer der spannendsten Faktoren der Geschichte, wer sich auf wessen Seite schlägt, denn hier werden ganze Teams und Familien wie die Avengers und die Fantastischen Vier aufgrund ihrer Entscheidungen auseinander gerissen.

Zu Team Tony gesellen sich, wie auch in der Verfilmung, Spider-Man, Black Widow und War Machine aber auch Hank Pym (der erste Ant-Man), Mr. Fantastic von den Fantastic 4, She-Hulk sowie die aktuelle S.H.I.E.L.D.-Direktorin Maria Hill (in den Filmen von Cobie Smulders dargestellt), die die Verhaftung von Steve Rogers in Angriff nimmt.

Bei den Wiederständlern aus „Team Cap“ wird es nun spannend. hier finden sich u.a. Bucky Barnes, Black, Falcon, Invisible Woman und Human Torch von den Fantastischen 4, der Punisher, Daredevil, Luke Cage und seine Frau Jessica Jones, sowie zu einem späteren Zeitpunkt Black Panther und Storm von den X-Men wieder.

Die restlichen X-Men sowie Thing von den Fantastic Four, der nach Frankreich flieht, und einige weitere bleiben neutral und versuchen sich komplett aus dem Disput herauszuhalten.

Ab diesem Punkt folgen große Spoiler, die ggf. in späteren Filmen als Handlungselemente dienen können!

Wir kommen jetzt zu den beiden wohl meist diskutierten Vorkommnissen der Comic-Story. Im Verlauf wechselt Peter Parker aufgrund von Angst, neuen Erkenntnissen sowie Gewissensbissen die Fraktion und schlägt sich schwer verletzt nach einem Kampf mit Iron Man auf die Seite von Captain America. Ein cooler Twist, der leider, und gleichzeitig zurecht, im Film keinen Platz fand. Es ist auch fraglich, ob dieser Punkt im kommenden Spiderman-Feature „Homecoming“ ggf. wieder aufgegriffen wird.

Und natürlich der große Schocker: im Nachbeben des Civil-War-Events wird Captain America ermordet, und zwar von niemand geringerem als (seinem auch im Film zu Beginn kurz auftauchenden Stammgegner) Crossbones und Sharon Carter, der blonden Nichte von Peggy Carter und Freundin von Steve Rogers, nachdem Sie im Auftrag von Red Skull einer Gehirnwäsche unterzogen wurde.

Comics are weird

Ja, da ist schon einiges los, nur leider kommt bei den ganzen Verstrickungen der Comics ja kein normaler Mensch mehr mit, also verlassen wir an dieser Stelle die Vorlage, alles andere würde zu weit führen.
Nicht dass ich noch vom von Tony Stark erschaffenen Thor-Klon Ragnarok anfange, der eigentlich auch noch eine wichtige Rolle spielt… Warten wir doch einfach auf den dritten Thor-Film im Oktober nächsten Jahres. Welchen Titel hatte der gleich?….

An dieser Stelle wechseln wir am besten wieder komplett zu den Filmen. Wir wissen, dass die Schauspieler nicht ewig ihre Rollen bekleiden werden. Nach Ende der „Phase 3“ (2019) ist für viele Schluss, darunter Chris Evans und Robert Downey Jr., die schon offiziell bestätigt haben, nicht ewig in diesen Rollen versauern zu wollen.

Der Punkt, an dem Chris Evans als Steve Rogers in einem der nächsten Filme den Löffel abgeben wird, ist meiner Meinung nach unausweichlich. Ein Schock-Moment, der eigentlich unter den Lesern keiner ist. Und ich kann mir vorstellen, dass es durch den Verlauf und die Abfolge der Ereignisse in den Filmen spätestens in Avengers 3 Teil 2 dazu kommen wird, vielleicht sogar schon in Teil 1. Und was dann?

Der nächste Captain America

Nach den Ereignissen in Civil War und dem Tod seines Freunds Steve Rogers wird Bucky Barnes die Rolle des Captain übernehmen, um das Erbe fortzuführen. Und die im Jahr 2014 veröffentlichte Meldung, dass der Winter-Soldier-Schauspieler Sebastian Stan einen Marvel-Film-Deal für insgesamt neun Filme unterzeichnet hat, stärkt diese Vermutung nur. Denn von den neun Filmen sind bis dato erst drei abgedreht. Nehmen wir also noch die nächsten zwei Avengers-Filme plus vielleicht einen weiteren beliebigen Titel, in dem er als Crossover-Figur teilnimmt, bleiben noch drei Filme. Passt doch genau für die nächste Captain-America-Trilogie.

Kein Ende in Sicht

Es gibt viele Andeutungen und Theorien, was nach dem zweiteiligen Avengers 3 – Infinity War kommen könnte. Helden gibt es mehr als genug. In 2019 werden schon mindestens vier Comic-Reihen ihre eigene neue Franchise begonnen haben (Dr. Strange, Black Panther, Captain Marvel, Inhumans), man wird bereits den zweiten Teile von Ant-Man gesehen haben und im Endeffekt hat man ja schon seit Age of Ultron eine neue Riege für die Avengers mit Scarlet Witch, Vision, Falcon etc.

Tony Stark wird voraussichtlich,
ähnlich wie James Bond, nach dem Ausstieg von Robert Downey Jr. wieder und wieder neu gecastet werden, und dann haben wir ja auch noch die ganzen Netflix-Helden bei denen es im Gegensatz zu DC-Serien nicht von vornherein ausgeschlossen wurde, weitere Charaktere nach Agent Phil Coulson, Maria Hill, Peggy Carter und Lady Sif zwischen Filmen und Serien hin und her springen zu lassen.
Es bleibt nur abzuwarten, wann die Zuschauer sich übersättigt abwenden und sich etwas neues suchen. Aber gerade nach dem aktuellen Teaser für Dr. Strange sehe ich das Ende noch lange nicht.

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