I’m gonna sing the doom song now.

doom-2016-monster

Vor ein paar Wochen ging die Open Beta für Konsolen und PC online und bot Spielern die Möglichkeit, den Multiplayer des aktuellen Doom ein Wochenende lang zu testen. Ich persönlich habe mir von den zwei Karten ein paar Stunden auf der PS4 ein Bild gemacht und fand es ganz witzig. Aber generell ist der Multiplayer bei diesem Spiel für mich kein Kaufgrund, denn das letzte, was ich mit Doom assoziiere, sind Multiplayer Arena Shooter.

Natürlich hat das Spiel dieses Genre im Endeffekt irgendwie ins Leben gerufen, aber beim ersten Doom war der Multiplayer für mich eher eine Randerscheinung und technisch nicht so ausgefeilt, wie später z.B. Quake oder Unreal Tournament. In einer Zeit, als das Internet für den Heimgebrauch noch weit entfernt war, stöpselten zwei Freunde und ich unsere PCs in meinem Dachbodenzimmer per COM- und LPT-Kabel aneinander und verlinkten sie mit wilden DOS-Befehlen, um Doom zu dritt spielen zu können. LAN ist’s her (ja, der war richtig schlecht…).

Doom ein Arena-Shooter?

Ich kann mich vielleicht täuschen, aber ich erinnere mich an Karten, auf denen Waffen und Items verteilt waren und dann rannte man herum, sammelte diese auf und killte jeden, der einem über den Weg lief. Gut, das war für eine Nacht schon sehr witzig, aber das war für mich nicht die Essenz von Doom und nicht mehr, als ein nettes Gimmick. Und ganz ehrlich, wie oft schleppte man seinen ganzen Rechner mit Kabeln, Tastatur, Maus UND BILDSCHIRM zu seinen Freunden, um dort Doom zu spielen?

Nachdem das Testwochenende für die Doom Open Beta gelaufen war, hagelte es Bewertungen. Fast ausschließlich positive für die Konsolenversionen und über 70% negative Beurteilungen auf Steam. Die Frage ist, warum?

Ich gebe den Testern in diversen Punkten Recht. Die PC-Version machte im Multiplayer im Vergleich zur Konsolenversion nicht mal ansatzweise so viel Spaß. Das liegt meiner Meinung nach einfach daran, dass bei den deutlich schnelleren Reaktionszeiten am PC durch die Maus-Tastatur-Steuerung die Gesamtgeschwindigkeit, gerade beim Laufen, Springen etc. nicht mitkommt. Man spürt tatsächlich, dass hier die Konsolen bei der Entwicklung im Vordergrund standen.

Dass der neue Doom-Multiplayer kein traditioneller Arena Shooter ist, ist ebenfalls korrekt. Am meisten störten viele Spieler sich daran, dass man vor der Runde sein Loadout, also die Kombination an Waffen, mit denen man in die Runde startete, definieren musste. Während man bei den Klassikern wie Quake und Unreal Tournament ohne Waffe startete und sich alles auf der Karte zusammensuchen musste, hat man hier bereits zwei Hauptwaffen und einen Satz Granaten zu Beginn parat, wodurch auch eine gewisse taktische Komponente fehlt, die klassische Arena Shooter mitbringen. Control the weapon spawns – control the map.

Generell gab es viele Beschwerden über Customization sowie das Levelling, aber für diese Dinge gebe ich Id Software nicht die Schuld. Hätte man diese Punkte weggelassen, wäre das Studio vermutlich genau dafür kritisiert worden. Shooter-Multiplayer ohne Leveln sind heute anscheinend einfach nicht mehr vertretbar.

Auf der Konsole passt hingegen die Spielgeschwindigkeit. Hier wirkt sich der Titel schneller, es wird sich nicht versteckt, nicht nachgeladen und generell fühlt sich alles sehr nach dem alten Run “n Gun an, halt genau das Gegenteil von z.B. einem Battlefield 2, welches wiederum auf Konsolen meiner Meinung nach aufgrund der komplexeren Steuerung nahezu unspielbar ist, denn diese Titel wurden an erster Stelle für den PC entwickelt.

Konsole vs PC

PC-Spieler schrieben sich auf Steam völlig in Rage, denn die Neuauflage unseres Doom, dem Spiel, was auf PCs in den 1990ern das Egoshooter-Genre maßgeblich definierte, wurde diesmal offensichtlich in erster Linie für Konsolen entwickelt. Ich selbst habe wie gesagt 1994 Doom auf meinem ersten PC  gespielt, und es war großartig.

Allerdings ist mir vor ein paar Jahren in Bezug auf die ursprüngliche Version etwas aufgefallen. Als es 2011 endlich nach 17 Jahren vom Index genommen wurde und man es öffentlich vertreiben durfte, erschien Doom im Xbox-Store für die Xbox 360. Als ich es gekauft und installiert hatte, musste ich mit Überraschung feststellen, dass es sich mit dem Gamepad viel besser spielen ließ als mit der Tastatur.

Für alle, die jetzt am Bildschirm einen Anfall bekommen, bitte bedenkt, die Steuerung für Doom war nicht Maus-Tastatur-basiert. Verwechselt das nicht mit aktuelleren Titeln! Hier wurde nicht mit WASD die Richtung gesteuert, sondern mit den Pfeiltasten. Und Pfeil-rechts war nicht rechts laufen, sondern nach rechts drehen! Gestrafed wurde mit Alt, die Waffen wurden mit den Zahlentasten gewechselt und man konnte weder springen, noch nach oben und unten schauen. Man schoss mit STRG und öffnete Türen mit SPACE! So war das! Unter heutigen Gesichtspunkten ein völliger Alptraum.

Als ich also DOOM auf meiner Xbox 360 spielte, mit über 30 Jahren viel besser spielte als damals mit 14, wurde mir schlagartig klar, DOOM war immer ein Arcade-Titel. Und wäre eine Spielekonsole zu der Zeit fähig gewesen, das zu leisten, was Id Software auf den Bildschirm bringen wollte, Doom wäre ein Konsolentitel geworden. Denn auch mit dem Pad vom SNES hätte sich das Spiel problemlos und besser spielen lassen, als mit der verkackten Tastatur!

Doom 2016 = Doom 1993?

Zeitsprung ins Jetzt. In einer Bewertung schreibt ein Nutzer auf Steam: „Das ist nicht Old School, das ist kein klassischer Arena-Shooter, das ist nicht Doom!“ Wisst ihr, was Doom nicht ist und nie war? Ein Arena Shooter. Quake war ein Arena Shooter, Unreal Tournament war ein Arena Shooter. Diese Spiele haben das Genre bestimmt, nicht Doom.

In 10 Tagen wird es erscheinen, und der Multiplayer könnte mich nicht weniger interessieren. Ich will Singleplayer. Ich will alte Waffen und alte Moster in neuer Grafik. Ich will mich nicht hinter irgendwelchen „Chest-High-Walls“ ducken, um aus der Deckung à la Gears Of War heraus zu kämpfen. Mich langweilen taktische Shooter wie Rainbow Six! Ich will wieder klassischen, schnellen, arcadigen Spaß haben! Und zwar Gemetzel Galore, allein gegen alle, ohne das nervige Nachladen und ohne diese albernen Horror- und Schockeffekte mit trister Farbgebung aus Doom3.

Kürzlich streamten Executive Producer Marty Stratton und Creative Director Hugo Martin von Id Software ein einstündiges Video, in dem der Singleplayer etwas detaillierter präsentiert wurde. Dieser soll eine Spielzeit von ca. 15 Stunden haben und das allein rechtfertigt für mich schon den vollen Preis für ein Videospiel. Im Original dauerte die Kampagne je nach Spielweise etwa vier bis fünf Stunden. Selbstverständlich verschließe ich mich in keinster Weise berechtigter Kritik, aber man muss Dinge meiner Meinung nach immer für das Bewerten, was sie darstellen wollen.

Und Leute… Hurt Me Plenty, Ultra Violence, Nightmare, Shotgun, Plasma Gun, Kettensäge, BFG 9000, kein Nachladen, bunte Grafik, viel Gewalt… wenn das nicht klassisches Doom ist, ehrlich, dann ist nichts Doom.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s